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Wappen

Baden, auch Baden bei Wien, ist eine Stadt in Niederösterreich, 25 km südlich von Wien an der Thermenlinie. Als eine der bedeutenden Kurstädte Europas zählt die Stadt seit 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft Baden. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre reichhaltige Geschichte, Biedermeierarchitektur, Kunst- sowie Weinkultur. Die Stadt wird geläufig auch als Kaiser- bzw. Kurstadt bezeichnet. Der amtliche Name lautet Baden; häufig wird, auch von der Stadt selbst, die Bezeichnung Baden bei Wien verwendet. Offizielle Gemeindefarben seit dem 15. Oktober 1968 sind Rot-Weiß. Die Stadt hat Einwohner (Stand ).

Geografie

Lage

Die Gemeinde Baden liegt in der Teilregion des Karbonat-Wienerwaldes am östlichen Rand der nördlichen Kalkalpen, im Übergangsbereich vom Wiener Becken zur Thermenlinie.

Der tiefste Punkt mit knapp 220 Metern Seehöhe befindet sich im Osten des Gemeindegebiets. Die höchste Stelle liegt mit dem Badner Lindkogel (582 m) im Nordwesten des Gemeindegebiets im Wienerwald.

Die am tiefsten gelegenen Bereiche östlich der Südbahn sind dem Wiener Becken zuzuordnen. Diese werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Am Rand des Stadtgebietes erhebt sich der 266 Meter hohe, für den Weinbau genutzte Hartberg (auch Harterberg genannt). Westlich des Stadtgebiets folgt der Anstieg mit einzelnen Kuppen (z. B. Römerberg) hin zu den ersten Anhöhen des Karbonat-Wienerwalds. Dies ist das zentrale Weinbaugebiet.

Flüsse/Bäche

Die Stadt Baden wird am Rande des Zentrums von der Schwechat durchflossen, die aus dem Helenental kommt. Knapp außerhalb des Gemeindegebiets von Baden, in Tribuswinkel, quert die Schwechat auch den Wiener Neustädter Kanal.

Der (Badener) Mühlbach wird von der Schwechat am Beginn des Helenentals bei Baden abgeleitet. Von der Wasserkraft wurden bereits im 12. Jahrhundert dutzende Mühlen zwischen Baden und Laxenburg betrieben. Der Bach fließt in Laxenburg in den dortigen Park, um danach wieder zur Schwechat zurückzukehren.

Stadtgliederung

Im Jahr 1850 wurde die Vereinigung mit Leesdorf und Gutenbrunn beschlossen. 1912 erfolgte die Erweiterung mit Weikersdorf.

An Ortschaften und Siedlungsnamen weist Baden auf als Stadt: Baden, als Dorf: Haidhof-Siedlung sowie Schildbachweg, als Einzelhäuser: Haidhof, Haidhofteich, Jägerhaus, Kiebitzmühle sowie Lorenzteich.

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte

Erste archäologische Funde auf dem Stadtgebiet aus der Königshöhle nahe der Burgruine Rauheneck können knapp 3000 Jahre vor Christus datiert werden. Diese sind Namensgeber der Badener Kultur.

Spätere Funde bezeugen die Anwesenheit von Kelten im Gebiet von Baden.

Mit der Ausbreitung Roms nach Pannonien kam die Stadt mit der römischen Kultur intensiv in Kontakt. Die Römer nutzten aktiv die warmen Schwefelquellen, welche bereits in damaligen Ortsverzeichnissen datiert sind. Es wird insbesondere diskutiert, ob Baden mit „Aquis“ auf der römischen Straße von Wien nach Ödenburg/Sopron (Scarabantia) im Itinerarium Antonini gemeint ist. Auch der lokale Weinbau wurde intensiviert.

Während der Regentschaft des Kaisers Claudius (41–54 n. Chr.) erhielt die Ansiedlung die Bezeichnung Aquae (deutsch: Bäder), die direkt auf ihre schon damals bedeutende Rolle als Heilbad hinweist. In der Epoche entstanden Gutshäuser, mehrere Tempel, und auch eine römische Kaserne. Die ansässige Bevölkerung vermischte sich mit römischen Zuwanderern und wurde zunehmend romanisiert.

869 wurde der Ort als „Padun“ neuerlich erwähnt, als König Karlmann dort Gericht machte. Ab dem 12. Jahrhundert wird wieder Baden häufiger erwähnt, meist in Zusammenhang mit Weingartenschenkungen an Klöster, die im heutigen Stadtgebiet Lesehöfe hielten. Im Hochmittelalter hatte die Umgebung eine außerordentlich hohe Dichte an Burgen und Herrschaften. Die Burg Scharfeneck war ab etwa 1100 besiedelt, ein Besitzer der Burg Rauheneck ist 1130 erstmals belegt, die Veste Rohr um 1180. Die Leesdorfer Wasserburg, das heutige Schloss Leesdorf scheint im Jahr 1114 auf. Burg Rauhenstein wird erstmals 1186 im Klosterneuburger Traditionskodex erwähnt. Wann die Wasserburg Weikhardsdorf, wo das heutige Schloss Weikersdorf erbaut wurde, entstand, ist nicht bekannt.

Ab 1285 kam es zu Siedlungserweiterungen im Bereich des damals gegründeten Augustiner-Eremitenklosters (aufgehoben 1812) und des „Neustift“ (heutige Neustiftgasse). Ein Richter von Baden ist 1337 erstmals nachgewiesen. Neben den Schwefelbädern existierten kontinuierlich Badstuben. Am besten dokumentiert ist das Schwitzbad im Baumgarten (heutige Neustiftgasse 6).

1341 erhielt Baden unter Albrecht II. das Marktrecht und im Jahr 1480 von Friedrich III. das Stadtrecht (als einziger Ort zwischen St. Pölten – Wien – Bruck an der Leitha und Wiener Neustadt – Ebenfurth bis ins 19. Jhd.).

Kaiser Friedrich III. verbrachte regelmäßig mit seiner Gattin Eleonore Helena Zeit in Stadt, ebenso wie Matthias Corvinus. Kaiserin Eleonores Gepäckwagen wurde 1466 auf dem Weg zur Kur vom Gefolge des Wilhelm von Puchheim der Burg Rauhenstein überfallen und ausgeraubt, weshalb der Kaiser in Folge die Burg brechen ließ.

1488 besuchte die ungarische Königin Beatrix die Stadt, um ihre Kinderlosigkeit zu heilen.

1531 schenkte Kaiser Ferdinand I. der Stadt das Frauenbad. 1613 setzte Kaiser Matthias ein eigenes Badgericht und eine Badeordnung aus 22 Gesetzen ein.

Zahlreiche Badener beteiligten sich am Haueraufstand des Jahres 1597.

Die Türkeneinfälle mit der Zerstörung Badens sowohl 1529 als auch 1683, die Wirren der Reformation und Gegenreformation, die Pest 1713 sowie ein größerer Brand 1714 waren einschneidende Ereignisse im Leben der Stadt.

Der sächsische Kurfürst, später König von Polen und Großherzog von Litauen, August der Starke konvertierte am 1. Juni 1697 heimlich in der katholischen Hofkapelle, der heutigen Frauenkirche, zum katholischen Glauben (siehe August der Starke).

Peter der Große besuchte 1698 auf Einladung von Kaiser Leopold I. die Stadt, woraufhin er russische Beamte beauftragte nach Thermalquellen in Russland zu suchen.

Kaiser Joseph I. kam ab 1707 regelmäßig zur Kur.

1758 unterstützte Maria Theresia den Bau einer neuen barocken Badeanlage. Im Josefsbad verhängte sie ein Badeverbot für Frauen. Auch sie kam mit Gefolge mehrmals zur Kur und verordnete eine Bekleidungspflicht in den Bädern.

Vor dem Erlass der Toleranzpatente für die Juden in Wien und Niederösterreich, durch Joseph II. Ende des 18. Jhd. konnten sich lange keine Menschen jüdischen Glaubens ansiedeln; so war ihnen auch der Besuch der städtischen Bäder größtenteils verwehrt. Infolge der Toleranzpatente fand sich aber ab dem 19. Jahrhundert ein kleines Zentrum jüdischer Kultur an der Bäckerstraße 363 (heute Breyerstraße 3) und eine jüdische Gemeinde entstand. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde weiter an und stellte 1934 mit 1108 personen, 5 % der Bevölkerung, sogar die drittgrößte jüdische Gemeinde Österreichs dar (nach Wien und Graz), und bildet heute die letzte Israelitische Kultusgemeinde Niederösterreichs.

Wolfgang Amadeus Mozart war zwischen 1773 und 1791 öfters zu Gast. Das „Ave Verum Corpus“ für den Badener Schulmeister Anton Stoll entstand 1791 im heutigen Mozarthof in der Renngasse und wurde in der Stadtpfarrkirche uraufgeführt. Mozart dirigierte dort im gleichen Jahr auch die von ihm geschriebene Missa brevis in B (KV 275). Auch entstanden nachweislich Teile seiner Opern „Die Zauberflöte“ und „La clemenza di Tito“ in der Kurstadt.

Die Stadt blieb bis zur Anlage neuer Straßenzüge in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dem Abriss der Stadtbefestigung von 1804 bis 1813 weitgehend unverändert von ihrer mittelalterlichen Struktur und Erscheinung.

Kaiser Franz I. verbrachte von 1796 bis 1834 jeden Sommer mit seiner Familie in Baden und erhob die Stadt zu seiner Sommerresidenz. Dadurch avancierte Baden zum bedeutsamen Kurort. Im Gefolge des Hofes kam im Sommer auch die gesellschaftliche Oberschicht, um sich in Baden zu erholen und auf Sommerfrische zu fahren. Die Kinder des Kaisers, unter anderem der spätere Kaiser Ferdinand I. und Kaiserinnen Marie Louise und Maria Leopoldina und ihre restlichen Geschwister verbrachten einen Gutteil ihrer Kindheit in der Stadt.

1803 besuchte Königin Luise von Preußen die Stadt.

Sowohl als am 11. August 1804 das Kaisertum Österreich ausgerufen wurde, als auch am 6. August 1806 die Krone des heiligen römischen Reiches niedergelegt und die Reichsfürsten von ihren Pflichten entbunden wurden, befand sich Kaiser Franz I/II. und der habsburgische Hofstaat in Baden.

Ein für die Stadt und ihr heutiges Bild außerordentlich prägendes Ereignis war der Stadtbrand 1812. Fast der gesamte Ortskern brannte nieder. Neben wenigen verschonten Gebäuden blieb nur die barocke Pestsäule von Giovanni Stanetti am Hauptplatz verschont. Die Brandursache ist bis heute umstritten.

In Folge wurde die Stadt nach Plänen von Joseph Kornhäusel neu erbaut und erhielt ihr im Großen und Ganzen noch heute erhaltenes weltweit einzigartiges, stilistisch einheitliches Stadtbild der Biedermaierarchitektur.

1813 kaufte der Kaiser schließlich das Kaiserhaus von Fürst Nikolaus II. Esterhazy.

Napoleons zweite Frau Marie Louise wohnte nach der Regentschaft ihres ersten Mannes mehrere Jahre in Stadt, in welcher sie auch einen Gutteil ihrer Jugend verbrachte. Ihr gemeinsamer Sohn, der Herzog von Reichstadt wuchs zu großen Teilen in der Kurstadt auf.

Auch Napoleon selbst gastierte an der Sommerresidenz seines Schwiegervaters.

Auch Fürst Metternich richtete sich in der Stadt eine Sommerresidenz ein, wo ihn regelmäßig seine Liebhaberin Fürstin Bagration besuchte. Die Stadt war folglich auch der Ort, an dem der Kaiser und Metternich den Wiener Kongress im Sommer 1814 maßgeblich vorbereiteten.

Während des Wiener Kongresses selbst war Baden ein wichtiger Nebenschauplatz, an welchem der europäische Hochadel, Gesandtschaften und Staatsmänner verkehrten und in Hinterzimmern Abkommen schlossen und sich Intrigen, insbesondere in den Anwesen von Fanny von Arnstein und Caroline Pichler abspielten. Die folgenden Jahrzehnte erlebt die Stadt den Aufstieg zur „heimlichen Hauptstadt“ und gesellschaftlichen Drehscheibe des Habsburgerreiches.

Wilhelm I. von Nassau war so begeistert von den Anlagen und Parks der Stadt, dass er Bad Ems entsprechend ausbaute.

1816 wurde Maria Theresia, spätere Königin beider Sizilien in der Stadt geboren. Ihr Vater, Erzherzog Karl, ließ zwischen 1820 und 1823 das Schloss Weilburg errichten.

Ludwig van Beethoven kam in den folgenden Jahren häufig nach Baden und komponierte hier unter anderem den 4. Satz seiner 9. Symphonie mit der „Ode an die Freude“, der heutigen Europahymne. In der Stadt sind ebenfalls wesentliche Teile der „Missa Solemnis“, der „Eroica“ und der „Pastorale“ entstanden.

Franz Liszt trat als Kind 1819 in Baden zum ersten Mal öffentlich auf und gab in Folge auch Konzerte in Ödenburg und Pressburg, worauf ungarische Magnaten ihm 1820 ein Studienstipendium finanzierten.

Durch die hohe Konzentration an Hofstaat, Hochadel, und erstarkenden Großbürgertum strömten unzählige Künstler und Literaten aus nah und fern in den Folgejahren in die Stadt. Unter anderem Franz Schubert, Carl Maria von Weber, Wilhelm von Humboldt, Antonio Salieri, Carl Czerny, Jean-Baptiste Isabey, Eduard Gurk, die Gebrüder Ender und Jakob Alt.

Im Jahre 1832 kam es in der Stadt zu einem missglückten Attentat auf den kaiserlichen Thronfolger Ferdinand, zum damaligen Zeitpunkt schon gekrönter König von Ungarn durch den pensionierten Hauptmann Franz Reidl mit einer Pistole. Der Kronprinz wurde nur leicht verletzt.

Während des Chaos der Märzrevolution 1848 wurde die Stadt der wichtigste Zufluchtsort der Habsburgerfamilie und Wiener Aristokratie und blieb trotz geographischer Nähe zu Wien klar kaisertreu, was Baden den Spitznamen „Schwarz-Gelbowitz“ einbrachte. (Schwarz und Gelb waren die Farben der Habsburger und auch damalige Farben der Flagge des Kaisertums Österreich.)

1850 wurden die damaligen Nachbarorte Leesdorf und Gutenbrunn eingemeindet. 1868 entstand die Bezirkshauptmannschaft Baden aus den vormaligen Amtsbezirken Baden, Mödling (samt heutigen Wiener Außenbezirken) und Pottenstein. Der Bezirk Mödling wurde 1896 eigenständig und abgetrennt.

Kaiserin Elisabeth kam regelmäßig am Fußweg von Wien aus zu Besuch in die Stadt. Katharina Schratt, die wichtigste Liebhaberin Kaiser Franz Josefs, war gebürtige Badenerin und avancierte zu einer der bedeutendsten österreichischen Schauspielerinnen ihrer Zeit.

Königin Maria Pia von Portugal residierte und kurte 1869 im Schloss Leesdorf.

Die großen Söhne der Stadt, Max Reinhardt, Josef Frank und Karl Landsteiner, wurden ebenfalls in jener Epoche geboren.

Im Jahr 1876 lernte Alfred Nobel in Baden seine langjährige Geliebte und Partnerin, Sofie Hess kennen.

In der goldenen Blütezeit der Donaumonarchie und darüber hinaus bis zum Zweiten Weltkrieg hin verkehrten und residierten nahezu alle Größen der Gesellschaft regelmäßig in der Kurstadt. Zu den damaligen Bewohnern zählen unter anderem Bertha von Suttner, die Familien Sacher, Gutmann und Siemens, Emil Jellinek-Mercedes, Johann Strauss, Franz Grillparzer, Carl Millöcker, Johann Nestroy, Ferdinand Raimund, Alfred Fried, Adolf Loos, Theodor Herzl, Stefan Zweig, Arthur Schnitzler und Joseph Haydn.

Oskar II. von Schweden und Norwegen kam mehrfach zur Kur nach Baden.

1892 wurde die Trabrennbahn errichtet und ab da das damals größte Pferderennen der Welt – Die Championships – dort ausgerichtet.

Die Stadt wurde sehr früh mit elektrischem Strom versehen. 1894 wurde mit der Straßenbahn Baden die zweite elektrische Bahn Österreichs eröffnet, welche ab 1895 das benachbarte Bad Vöslau mit Baden verband. In Folge entstand daraus 1907 die bis heute bestehende Badner Bahn (Wiener Lokalbahn).

1912 wurde die Stadt mit Weikersdorf vereinigt und vergrößerte sich auf das heutige Gemeindegebiet.

Im Ersten Weltkrieg kam der Stadt ebenfalls eine wichtige Rolle zu: 1916 wurde das Armeeoberkommando, die Befehlszentrale für alle Einheiten (inkl. k.u.k. Kriegsmarine) der Streitkräfte Österreich-Ungarns, von Teschen in Österreichisch-Schlesien nach Baden, in das Schloss Weilburg und das Kaiserhaus, verlegt und blieb hier bis zum Ende des Krieges im November 1918. Zudem war Baden von Februar bis Juni 1918 sogar offiziell Residenz des k.u.k. Hofes und damit Regierungssitz. Der letzte Kaiser, Karl I., der den militärischen Oberbefehl im Gegensatz zu seinem greisen Vorgänger Franz Joseph I. selbst übernahm, hielt sich deshalb über seine ganze Regierungszeit hinweg häufig in Baden auf.

Das historische Aufeinandertreffen von Kaiser Karl und Kaiser Wilhelm II. fand ebenfalls hier statt.

Die Eröffnung des Spielcasinos 1934 sicherte Badens Stand als bedeutendsten Kurort Österreichs.

Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört, das Gebäude dann durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt übernommen.

Am 26. März 1945 war Baden Ziel eines Luftangriffs der 15. US-Luftflotte. Ein Bombenangriff am 2. April 1945 – im vorletzten Monat des Zweiten Weltkriegs – zerstörte einzelne Gebäude. Am 3. April 1945 besetzte die Rote Armee die Stadt. Speziell in der ersten Zeit der Besetzung kam es durch die Soldaten zu Plünderungen, Vergewaltigungen sowie Erschießungen. Einige in Baden in der Nikoladonivilla (Schimmergasse 17) Inhaftierte (und bisweilen Gefolterte) wurden in die UdSSR verschleppt.

Eine abermals wichtige Rolle kam der Stadt in der Nachkriegszeit zu: Von 1945 bis 1955 lag Baden in der sowjetischen Besatzungszone. In dieser Zeit befand sich hier das Hauptquartier der sowjetischen Besatzungsmacht in Österreich. Die Martinek-Kaserne (erbaut 1941), sowie große Teile bis ganze Häuserblöcke der Stadt wurden hierfür genutzt. So z. B. beim Rollettmuseum, wo auch das Nicoladoni-Haus steht, welches als Geheimdienst Zentrale und Gefängnis, wo heute eine Gedenktafel über den unmenschlichen Umgang der sowjetischen Führung steht.

1963 verbrachte der saudi-arabische König Saud ibn Abd al‑Aziz mit seiner Familie und Gefolge mehrere Monate in der Stadt.

Nach 1965 wurde die gesamte touristische Infrastruktur des Orts erneuert (siehe auch Tourismus in Österreich#Kur- und Wellnesstourismus).

Anfang der 1970er waren Hans Adam II. und der Schah Mohammed Reza Pahlavi und seine Frau Kaiserin Farah zu Gast.

Während der Euro 2008 beherbergte die Stadt den damaligen amtierenden Weltmeister, die italienische Fußballnationalmannschaft im Schlosshotel Weikersdorf.

2009 wurde dem Badener Arnulf Rainer zu Ehren ein Museum mit seinen Werken eröffnet.

Im April 2017 wurde am Josefsplatz in Baden ein Mahnmal fertiggestellt, das an die vom nationalsozialistischen Regime verfolgten und ermordeten Menschen erinnert. Realisiert wurde es von der Stadtgemeinde, der jüdischen Gemeinde Baden und der Zivilgesellschaft.

Im Juli 2021 wurde Baden als ein transnationaler Teil von 11 Städten unter der Bezeichnung The Great Spa Towns of Europe (Bedeutende Kurstädte Europas) in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Im Sommer 2026 trafen sich mehrfach im Geheimen hochrangige westliche Ex-Diplomaten mit Alexander Woloschin, dem ehemaligen Kabinettschef des russischen Präsidialamtes in der Stadt, um diskrete diplomatische Gespräche zur Beendigung des Ukrainekrieges zu führen.

Auch heute gilt die Stadt als bekannter Nobelvorort. Bekannte Bewohner der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart sind unter anderem Johann Graf, Benita Ferrero-Waldner, Marlene Streeruwitz, Lotte Tobisch, Gerda Rogers, Lotte Ledl, die Familie Waldheim, Andrea Eckert, Norbert Oberhauser, Gabriele Hasmann und Georg Jeitler.

Siehe auch: Geschichte Niederösterreichs, Geschichte des Wienerwalds

Demographie

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerung Badens hat seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast ununterbrochen zugenommen und sich vor allem zwischen 1869 und 1923 auf über 22.000 verdoppelt. Eine markante Abnahme der Bevölkerung um 11,6 % gab es lediglich während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945.

Auch seit der Volkszählung im Jahr 1991 hat die Bevölkerung um 4,3 % zugenommen, was auf die positive Wanderungsbilanz (+8,8 %) zurückzuführen war, während die Geburtenbilanz rückläufig war (− 4,4 %).

Religionen

Die Mehrheit (62,7 %) der Einwohner Badens ist römisch-katholisch. Bekannteste Kirche ist die Stadtpfarrkirche St. Stephan.

Evangelisch sind 8,3 %, orthodox 3,6 %. Zum Islam bekennen sich 4,0 %. 16,8 % sind ohne religiöses Bekenntnis. Die kleine (0,1 %) jüdische Gemeinde bemühte sich durch ihren Synagogenverein um die Renovierung der Badener Synagoge. Die Renovierung wurde 2005 abgeschlossen und die Synagoge Baden wieder geweiht. Das ursprünglich 1873 errichtete Gebäude sowie der Wiener Stadttempel sind heute die zwei einzigen jüdischen Sakralbauten in Österreich aus der Zeit vor 1945, die in ihrer ursprünglichen Verwendung stehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Stadt bildet das Zentrum des Weinbau- und Kulturraums der Thermenregion. Die jährlich stattfindende Genussmeile ist neben dem Pfaffstättner Großheurigen und der Badener Traubenkur Hauptveranstaltung der örtlichen Weinhauer und Heurigenbetriebe.

Die Stadt hat traditionsreiche Vereine und Sitten im Volkstanz, der Stadtmusik, die „singenden Weinhauer“ und gleich mehrere eigene Trachten. Weiters ist die Stadtgemeinde eine verbleibende Hochburg des Couleurstudententums. Die örtliche Schützengesellschaft kann eine Tradition zurück bis ins Jahr 1560 nachweisen.

Baden ist insbesondere aufgrund der heißen Schwefelquellen eine bedeutende Kurstadt. Diese Schwefelquellen sind schon seit Jahrtausenden bekannt. Die älteste Schwefelquelle befindet sich in einem Stollen unter dem Casino. Heute kommt das Wasser aus vierzehn Quellen, die zu den schwefelhaltigsten Österreichs zählen. Neben den Quellen ist Baden auf Grund seiner guten Luftverhältnisse auch ein Luftkurort.

Das Stadtbild ist stark durch das Biedermeier geprägt, im frühen 19. Jahrhundert erlebte die Stadt durch den Badetourismus aus Wien einen starken wirtschaftlichen Aufschwung und kulturelle Blüte. Baden ist Mitglied im Verband Kleine historische Städte.

Mehrere Theaterstücke von Arthur Schnitzler spielen in Baden, unter anderem „Das weite Land“. Der Ort war weiters das Vorbild für den Handlungsort der Operette „Die Fledermaus“.

Seit 2012 findet jährlich im Sommer über ein Wochenende hinweg das Fest „Baden in weiß“ statt.

Seit 2018 findet in Kooperation mit der französischen Gemeinde La Gacilly das gleichnamige Fotofestival in den Sommermonaten über das gesamte Gebiet der Stadt verteilt statt. Die Ausstellungen der vergangenen Jahre waren:

Theater

Das Badener Theaterleben ist vor allem von Operettenaufführungen geprägt. Über das ganze Jahr verteilt finden Aufführungen im Stadttheater statt (erbaut 1908–1909 von Ferdinand Fellner d. J., Büro Fellner & Helmer), während des Sommers auch zusätzlich in der Sommerarena (erbaut 1906 von Rudolf Krausz).

Casino Baden

Das Casino in Baden wurde nach Plänen der Architekten Eugen Fassbender und Maximilian Katscher in den Jahren 1884 bis 1886 als neues Kurhaus errichtet. Das Gebäude wurde im Stile der Neorenaissance anstelle des alten Theresienbades im Kurpark erbaut.

Es wurde nach mehrfachen Umbauten 1995 als größtes Casino Europas samt Kongress- und Veranstaltungszentrum neu eröffnet. Das Casino wird regelmäßig für kulturelle Veranstaltungen (Lesungen, Konzerte und vor allem Bälle) genutzt, auch findet dort der Internationale Chorwettbewerb Ave Verum statt.

Stadtbücherei

Die Stadtbücherei Baden wurde 1940/41 gegründet. Sie hatte damals 3.000 Bände und 22.332 Entlehnungen für 1.349 Leser (davon 300 Kurgäste). 1959 übersiedelte sie an den Standort Kaiser-Franz-Ring 9, dem Zellerhof, in dem sich auch das Standesamt befindet. Die Zweigstelle Weikersdorf wurde 1964 mit Freihandaufstellung der Bücher eröffnet, 1973–1975 wurde auch die Hauptbibliothek als Freihandbücherei gestaltet. Im Jahr 2008 wies die Bibliothek 52.480 Entlehnungen für 26.095 Besucher auf, sie umfasste 31.303 Medien (26.602 Bücher, 1.184 Zeitschriften-Hefte aus 43 Abonnements, 3.517 Audio/Video-Medien).

Museen und Ausstellungshäuser

Bauwerke

;Friedhöfe

;Abgekommene Bauwerke

Ortsbildgestaltung

Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes „Entente Florale Europe“ wurde Baden 2005 mit einer Goldmedaille in der Kategorie Stadt ausgezeichnet.

Parks

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Die Südbahn führt durch Baden hindurch, die Stadt ist Endstation der Badner Bahn, die Baden mit Wien verbindet. Aufgrund der Nähe zur Südautobahn ist Baden verkehrstechnisch günstig gelegen. In Baden werden, meistens nur von Montag bis Samstagmittag, die drei Stadtbuslinien (A, B und C) betrieben.

Von 1873 bis 1951 existierte die Straßenbahn Baden.

Ansässige Unternehmen

Die Wirtschaft ist zum einen vom Kur- und Konferenzbetrieb, zum anderen vom Casino (einem Standort der Casinos Austria und gleichzeitig größtes Casino Österreichs) geprägt. Hinzu kommt noch der in der Umgebung betriebene Weinbau.

Energieversorgung

Baden ist im dicht verbauten Gebiet fast vollständig mit biogener Fernwärme, welche im Biomasseheizkraftwerk Baden erzeugt wird, aufgeschlossen. Die öffentlichen Gebäude, wie Schulen, Ämter, weiters auch Kurbetriebe und großvolumige Wohnbauten werden mit Fernwärme versorgt.

Baden gehört zu den e5-Gemeinden, welche sich einer internationalen Prüfung zur Erreichung von Klimazielen aussetzt. Noch hat Baden nicht die höchste Auszeichnung, wie 24 andere Gemeinden in Österreich (Stand März 2019) erlangen können. Dieser höchste Standard wird jedoch bei den kommenden Prüfungen angestrebt. Zudem versucht Baden auf kommunaler Ebene den Klimawandel über städtebauliche Wettbewerbe positiv zu beeinflussen. Bei zukünftigen Ausschreibungen der Stadt im Baubereich soll klimapolitischen Ansätzen besondere Geltung zukommen.

Öffentliche Einrichtungen

Als Verwaltungszentrum des Bezirks Baden ist die Stadt Sitz regionaler Behörden und anderer öffentlicher Einrichtungen wie Schulen und Gesundheitseinrichtungen.

Ämter und Behörden

Bäder

Schulen

Gesundheit

Sanitätsdienst

Der Rettungsdienst wird vom Roten Kreuz Bezirksstelle Baden wahrgenommen und wird über Notruf Niederösterreich organisiert.

Freiwillige Feuerwehren

Die Stadt Baden unterhält insgesamt drei Freiwillige Feuerwehren:

Bundesheer

Sport

E-Government

Die Stadtverwaltung bietet verschiedene elektronische Services an, um die Amtswege für die Bürger zu vereinfachen. So können Formulare direkt von zuhause aus als PDF-Datei heruntergeladen werden und dann per Post an die jeweilige Abteilung versendet werden. Außerdem können einige Anliegen wie z. B.: Bewerbungen um Aufnahme in ein Dienstverhältnis direkt via Webformular übermittelt werden. Die Online-Formulare der Stadt basieren auf AFORMSOLUTION, des österreichischen IT-Unternehmens aforms.

Politik

Historisch ist die Stadt traditionell stark von bürgerlichen Kräften geprägt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte die ÖVP alle Bürgermeister, wie zuvor ihr Vorgänger, die Christlichsoziale Partei.

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Baden hat 41 Sitze.

Koalitionen

2020: ÖVP+Grüne

2025: ÖVP, SPÖ, Liste Trenner

Bürgermeister

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

In der Stadt Verstorbene

Wirkte in Baden

Ehrenbürger

Galerie

Fotos von Baden

Historische Aufnahmen von Baden

Historische Landkarten aus den Jahren 1872 bis 1910

Weblinks

Anmerkungen

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Baden_(Niederösterreich).

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